Hydrogen vehicle next to Lhyfe logo
© Lhyfe / Erik Bernard

Lhyfe

Das französische Start-up Lhyfe betreibt seine größte Produktionsanlage in Schwäbisch Gmünd – weil es viele Abnehmer gibt und die Rahmenbedingungen vorbildlich sind.

Grüner Wasserstoff gilt als Schlüssel für Klimaneutralität – doch die Produktion ist komplex. Das französische Start-up Lhyfe hat im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd die größte kommerzielle Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland errichtet und profitiert dabei von staatlicher Förderung und einem starken Ökosystem. 

 

Alle sprechen darüber, aber kaum einer hat ihn. Die Rede ist von grünem Wasserstoff, der aus sauberem Strom erzeugt wird. Mit Hilfe des energiereichen Gases können Busse, Züge oder Industrieanlagen klimaneutral betrieben werden. Auch als Rohstoff für die chemische Industrie wird Wasserstoff künftig sehr wichtig sein. Die Bundesregierung hat bereits eine Wasserstoffstrategie verabschiedet. Ihr Ziel ist es, die entsprechenden Technologien in Deutschland zu fördern und auszubauen.

Doch woher soll der grüne Wasserstoff kommen? Hier spielt das Engagement von privaten Unternehmen eine wichtige Rolle. Das französische Start-up Lhyfe, 2017 gegründet und seit 2022 an der Euronext-Börse in Paris notiert, ist eine der ersten Firmen, die diese Herausforderung im industriellen Maßstab angehen. “Wir stellen grünen Wasserstoff her und verkaufen ihn direkt an die Abnehmer”, sagt Luc Graré, Head of Central and Eastern Europe bei Lhyfe. 

Vier Produktionsstandorte hat Lhyfe bereits errichtet. Drei davon liegen im Heimatland Frankreich. Sie haben eine Kapazität von einem bis fünf Megawatt. Die größte Anlage ihrer Art ließ das Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern jedoch in Baden-Württemberg bauen – und zwar in Schwäbisch Gmünd. Im Mai 2025 hat die Anlage mit einer Kapazität von zehn Megawatt ihren Betrieb aufgenommen.

 

Gute Bedingungen für die Expansion nach THE LÄND

Baden-Württemberg bietet ein günstiges Umfeld für Investitionen rund um erneuerbare Energien. Die Politik des Landes zielt unter anderem darauf ab, eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft aufzubauen – von der Erzeugung über den Transport bis zum Verbrauch. Das Land fördert diese Entwicklung finanziell und hilft den Akteuren, sich zu vernetzen – zum Beispiel auf der Plattform H2BW. 

Grüner Wasserstoff wird per Elektrolyse erzeugt. Die dafür notwendige Energie liefert Strom aus Wasser, Wind und Sonne. Der entstehende Wasserstoff wird aufgefangen und kann gespeichert oder direkt genutzt werden. Klingt einfach, die dahinter stehende Technik ist jedoch komplex – vor allem, wenn große Mengen grünen Wasserstoffs zu möglichst niedrigen Kosten erzeugt werden sollen. 

Der Standort, den sich Lhyfe gewählt hat, liegt im Technologiepark Aspen im Südwesten von Schwäbisch Gmünd. Die Nähe zu dem Areal macht es möglich, die ansässigen Unternehmen direkt mit grünem Wasserstoff zu versorgen. Die Stadt und ihre Behörden haben die französische Firma mit offenen Armen empfangen und ihr genehmigt, eine 10.000 Quadratmeter große Industriefläche zu nutzen. Erst dadurch konnte das Projekt realisiert werden. "Die Kommunalpolitik hat das Projekt mit Leidenschaft vorangetrieben. Das hat uns sehr geholfen", sagt Graré.

 

Standortvorteile durch Förderung und Partnerschaften

Eine weitere Rolle haben die staatlichen Förderungen gespielt. Lhyfe profitiert vom Kooperationsprojekt H2-Wandel, dass die Region Mittlere Alb-Donau-Ostwürttemberg aufgesetzt hat. Im Zentrum steht der Aufbau eines technologischen Ökosystems rund um grünen Wasserstoff. In unmittelbarer Nähe zu dem Standort von Lhyfe sind auch eine Wasserstofftankstelle und eine H2-Pipeline vorgesehen. Zusätzliche Mittel kommen vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). 

Für genug erneuerbaren Strom ist ebenfalls gesorgt. Lhyfe hat langfristige Stromabnahmeverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA) mit Anbietern von Wind-, Solar- und Wasserkraft abgeschlossen, um die benötigte Energie für die Elektrolyse nachhaltig zu beziehen. 

In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen KEYOU plant Lhyfe, bis zu 100 Wasserstoff-Lkw in der Region um Schwäbisch Gmünd einzusetzen. KEYOU verfolgt die Idee, herkömmliche Dieselmotoren kostengünstig in emissionsfreie Wasserstoffmotoren umzuwandeln. 

Baden-Württemberg biete viele gute Möglichkeiten, sagt Graré. Unter anderem sei das Bundesland ein Zentrum für die Erforschung von Brennstoffzellen, also Antriebe, die mit grünem Wasserstoff betrieben werden. “Baden-Württemberg ist das Silicon Valley der Mobilität, das macht den Standort für uns so interessant”, so das Fazit des Lhyfe-Managers.