Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Generaldirektorin Kerstin Jorna (Europäische Kommission), Luc Van den hove (Präsident und CEO von imec), Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der flämische Ministerpräsident Matthias Diependaele bei der Bekanntgabe des Ansiedlungsprojekts

Imec

Baden-Württembergs Halbleiter-Netzwerk wächst

Der belgische Forschungsverbund imec baut in Heilbronn einen neuen Standort auf. Ziel sind moderne Chiparchitekturen für die Autoindustrie. 

 

Die Automobilindustrie durchläuft einen fundamentalen Wandel: Motoren werden künftig mit Strom betrieben und die Batteriesysteme elektronisch gesteuert. Assistenzsysteme arbeiten immer präziser und das automatisierte Fahren setzt sich langsam aber sicher durch. Das alles stellt hohe Ansprüche an die im Auto verbaute Technik. Winzige elektronische Baugruppen spielen eine herausragende Rolle für die Zukunft der gesamten Branche. Sie müssen nicht nur zuverlässig zu beschaffen sein, sondern auch ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen. Die Autohersteller benötigen deshalb immer neue Innovationen aus der Halbleiterindustrie. 

Imec, ein globales Forschungszentrum für fortschrittliche Halbleitertechnologien mit Sitz im belgischen Löwen, hat sich zum Ziel gesetzt, solche Komponenten zu entwickeln. “Wir betreiben Forschung für die gesamte Halbleiterwertschöpfungskette sowie für Anwender wie die Automobil- und Gesundheitsindustrie”, sagt imec-Chef Luc Van den hove. Die Non-Profit-Organisation ist ein besonderes Unternehmen. Sie entwickelt technologische Aktionspläne für die Zukunft und arbeitet dabei mit unterschiedlichen Partnern aus dem gesamten Halbleiterbereich zusammen. 

Imec ist in mehreren Ländern vertreten und bietet darüber Zugang zu seinen hochmodernen Einrichtungen in Belgien, die Ideen für die Halbleiterproduktion von morgen vorantreiben. Vorteil für die beteiligten Partnerunternehmen: Sie teilen sich Kosten und Risiken. So entstehen Innovationen viel schneller als bei Firmen, die auf sich gestellt arbeiten. Weltweit sind bei imec 6500 Personen aus mehr als 100 Ländern beschäftigt. 

 

Neuer Standort für die Chiplet-Forschung von imec

In Zukunft wird imec auch  mit Unternehmen aus Baden-Württemberg kooperieren. Ende Oktober 2025 eröffnete die Organisation auf dem Campus des Innovation Park AI (IPAI) in  Heilbronn das Innovationszentrum ACDA (Advanced Chip Design Accelerator). Im Mittelpunkt stehen hochmoderne Chiplet-Architekturen für die Automobilindustrie, die in Baden-Württemberg der stärkste Wirtschaftszweig mit knapp einer halben Million Beschäftigten ist. Das Land Baden-Württemberg fördert die Ansiedlung und den Aufbau der imec-Niederlassung bis 2030 mit 40 Millionen Euro und richtet zehn neue Chip-Professuren am IPAI ein. 

Chiplets sind winzige Halbleiterkomponenten, die sich wie Lego-Steine zu einem komplexen System zusammensetzen lassen und je nach Bedarf kombinierbar sind. Dadurch können Komponenten effizienter und flexibler hergestellt werden. “Die entwickelten Systeme lassen sich leicht auf die europäische Fertigungs-, Robotik- und Mobilitätsindustrie übertragen, da sie auf ähnlichen Bausteinen basieren”, sagt Van den hove.

Das neue Kompetenzzentrum soll an ganz unterschiedlichen Lösungen arbeiten – dazu gehört auch Packaging. Darunter versteht man das Gehäuse für fertige Halbleiter. Rohe Chips sind sehr empfindlich, deshalb erhalten sie einen Mantel, der sie schützt und platzsparend die elektrische Verbindung herstellt.  

 

Kompetenzen in Baden-Württemberg erhöhen Attraktivität

Van den hove schätzt an Baden-Württemberg nicht nur die starke Industrie, sondern auch die hervorragenden Kompetenzzentren und Hochschulen: “Sie sind für die Umsetzung des Wertschöpfungsmodells von imec und das Erreichen der Projektziele von entscheidender Bedeutung.” Am neuen Standort profitiert imec von einem Cluster für Hochtechnologie, das in der Region seit Jahren wächst. “Dort wollen wir Talente für Forschung und Entwicklung gewinnen und fördern”, sagt der imec-CEO.  

In Heilbronn sitzt unter anderem das EU-Projekt CHASSIS, in dem Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Es beschäftigt sich mit der nächsten Generation von Hochleistungsrechnersystemen (HPC) für den Automobilsektor. Ziel ist es, eine hochintegrierte und energieeffiziente Computerarchitektur für Fahrzeuge zu entwickeln, die KI und sicherheitskritische Systeme vereint. Auch an der Arbeit von CHASSIS wird sich imec beteiligen.